Behavioral Economics und Customer Experience: Wie kognitive Verzerrungen das Kundenverhalten beeinflussen

Behavioral Economics und Customer Experience: Wie kognitive Verzerrungen das Kundenverhalten beeinflussen

Lange Zeit prägte der "Homo Oeconomicus" die Wirtschaftswissenschaften: ein rationales Wesen, das stets nach dem optimalen Nutzen strebt und alle Informationen sorgfältig abwägt, bevor es eine Entscheidung trifft. Doch dieses Modell hat einen entscheidenden Fehler – es ignoriert die menschliche Natur! Wir sind keine emotionslosen Roboter, sondern lassen uns von Gefühlen, intuitiven Heuristiken und kognitiven Verzerrungen leiten.

Die Behavioral Economics, eine faszinierende Disziplin an der Schnittstelle von Psychologie und Ökonomie, rückt genau diese irrationalen Muster in unserem Entscheidungsverhalten in den Fokus. Und dieses Wissen ist für Unternehmen von unschätzbarem Wert! Denn wer versteht, wie kognitive Verzerrungen die Customer Experience beeinflussen, kann diese gezielt optimieren und Kunden auf subtile Weise begeistern – und so einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erlangen.

Was sind kognitive Verzerrungen und wie beeinflussen sie uns?

Kognitive Verzerrungen sind systematische Fehler in unserer Denkweise, die uns dazu verleiten, Informationen verzerrt wahrzunehmen und dadurch schlechte Entscheidungen zu treffen. Sie laufen oft unbewusst ab und basieren auf mentalen Abkürzungen (Heuristiken), die uns im Alltag schnell und effizient Entscheidungen treffen lassen. Im Kontext der Customer Experience können diese Verzerrungen entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung von Produkten, Preisen und Marken haben.

Beispiele für kognitive Verzerrungen in der Customer Experience:

  • Verlustaversion: Der Schmerz eines Verlustes wiegt schwerer als die Freude über einen gleichwertigen Gewinn. Ein klassisches Beispiel ist die "Geld-zurück-Garantie". Kunden sind eher bereit, ein Produkt zu kaufen, wenn sie die Möglichkeit haben, es risikofrei zu testen. Die Angst, etwas zu verpassen, ist ein mächtiger Motivator!
    • Praxisbeispiel: Ein Online-Shop bietet eine verlängerte Rückgabefrist von 100 Tagen an und steigert dadurch die Conversion Rate um 20%.
  • Framing-Effekt: Die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden, beeinflusst unsere Wahrnehmung. Ein Joghurt mit "10% Fett" klingt weniger attraktiv als einer mit "90% Fettfreiheit", obwohl beide Aussagen objektiv dasselbe bedeuten.
    • Praxisbeispiel: Ein Software-Unternehmen bietet zwei verschiedene Preismodelle an: "Premium" für 100€ pro Monat und "Basic" für 50€ pro Monat. Durch die Einführung eines dritten, noch teureren Modells "Platinum" für 150€ pro Monat steigt die Nachfrage nach dem "Premium"-Modell signifikant, obwohl sich an dessen Preis oder Leistung nichts geändert hat.
  • Ankereffekt: Wir orientieren uns bei Schätzungen an einem vorgegebenen Ankerwert, auch wenn dieser völlig irrelevant ist. Ein teures Produkt, das neben einem günstigeren präsentiert wird, lässt das zweite Produkt automatisch als Schnäppchen erscheinen.
    • Praxisbeispiel: Ein Immobilienmakler zeigt zuerst eine überteuerte und sanierungsbedürftige Wohnung, bevor er die eigentlich zum Verkauf stehende Immobilie präsentiert. Die zweite Wohnung wirkt dadurch im Vergleich viel attraktiver.
  • Social Proof: Wir lassen uns vom Verhalten anderer Menschen beeinflussen. Kundenbewertungen, Testimonials und die Anzahl der verkauften Produkte sind mächtige Instrumente, um Social Proof zu generieren und das Kaufverhalten positiv zu beeinflussen.
    • Praxisbeispiel: Ein Onlineshop zeigt an, wie viele andere Kunden ein bestimmtes Produkt bereits gekauft haben ("bereits von über 1000 Kunden gekauft!") und steigert dadurch die Verkäufe.
  • Confirmation Bias: Wir neigen dazu, Informationen zu suchen und zu interpretieren, die unsere bestehenden Meinungen und Überzeugungen bestätigen. Kunden, die von einer bestimmten Marke überzeugt sind, werden eher positive Bewertungen lesen und negative ignorieren.
    • Praxisbeispiel: Ein Autohersteller veröffentlicht auf seiner Website ausschließlich positive Testberichte und Kundenmeinungen zu seinem neuesten Modell.

Wie können Unternehmen kognitive Verzerrungen ethisch und effektiv nutzen?

Die Kenntnis kognitiver Verzerrungen ermöglicht es Unternehmen, die Customer Experience auf vielfältige Weise zu optimieren:

  • Gestaltung der Customer Journey: Identifizieren Sie Schlüsselmomente in der Customer Journey, an denen kognitive Verzerrungen eine Rolle spielen. Gestalten Sie diese Punkte gezielt, um Kunden positiv zu beeinflussen, z.B. durch personalisierte Angebote, vereinfachte Bestellprozesse oder überzeugende Produktpräsentationen.
  • Preisgestaltung: Nutzen Sie den Ankereffekt und die Verlustaversion, um die Wahrnehmung von Preisen zu beeinflussen. Bieten Sie verschiedene Preismodelle an und heben Sie die Vorteile des gewünschten Modells hervor.
  • Produktpräsentation: Setzen Sie auf Framing und Social Proof, um Ihre Produkte attraktiver zu gestalten. Heben Sie die positiven Eigenschaften hervor und zeigen Sie, wie viele andere Kunden mit dem Produkt zufrieden sind.
  • Kundenkommunikation: Verwenden Sie Sprache und Bilder, die Emotionen ansprechen und kognitive Verzerrungen aktivieren. Erzählen Sie Geschichten, die die Vorteile Ihrer Produkte auf emotionale Weise vermitteln.

Ethik und Transparenz:

Der Einsatz von kognitiven Verzerrungen im Marketing wirft ethische Fragen auf. Es ist wichtig, dass Unternehmen transparent und verantwortungsvoll mit diesem Wissen umgehen. Manipulation und Täuschung sind tabu! Stattdessen sollten Unternehmen kognitive Verzerrungen nutzen, um die Customer Experience zu verbessern und Kunden dabei zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Fazit

Behavioral Economics bietet Unternehmen wertvolle Einblicke in das Kundenverhalten. Wer die Mechanismen kognitiver Verzerrungen versteht, kann die Customer Experience optimieren und Kunden auf eine neue Art und Weise begeistern. Dabei ist es wichtig, stets ethisch und transparent zu handeln und das Vertrauen der Kunden zu wahren.

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